Was Liegeplätze für Boote im Fünfseenland kosten

Der Wörthsee ist schon lange ein beliebtes Ausflugsziel. Dann kam Corona und die Einsicht, dass Urlaub daheim auch sehr schön sein kann.
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Einen Ansturm der Freizeitskipper beobachten die Fischer am Wörthsee – auch wenn der Eigentümer die Preise für Liegeplätze deutlich erhöht hat. Am Pilsensee sind noch Bojen zu haben.

Glücklich, wer in diesen Tagen ein Boot auf dem Starnberger See, dem Wörthsee, dem Pilsensee oder dem Ammersee liegen hat, ob in einem Hafen, bei einem Fischer am Steg oder an einer Boje. Die Nachfrage nach Liegeplätzen ist seit Jahren hoch. Dann kam Corona und die Einsicht, dass Urlaub daheim auch sehr schön sein kann. Armin Elbs etwa, der Geschäftsführer des Rentamts Seefeld, spricht von einem „Riesenrun auf den Wörthsee“. Das Rentamt, das Teil der Unternehmensverwaltung Graf zu Toerring-Jettenbach ist, vermietet Liegeplätze und Bojen am Wörthsee und am Pilsensee. Beide Gewässer sind im Privateigentum von Cajetan Graf zu Toerring-Jettenbach.

Dass jetzt die Preise für Privatpächter erhöht wurden, habe mit der Corona-Krise nichts zu tun, sagt Elbs. Sondern damit, dass bei der Übertragung der beiden Seen von Vater Hans C. Graf zu Toerring-Jettenbach auf seinen Sohn Cajetan der Bestand von Bojen, Stegen und Liegeplätzen „auf Vordermann gebracht wurde“, sagt Elbs. Dabei wurde festgestellt, dass so manche Boje mittlerweile vom Enkel des ursprünglichen Mieters genutzt wird. Mit der Neuordnung habe man nun auch die Preise erhöht – zum ersten Mal seit 2007. Eine privat genutzte Boje an den beiden Seen kostet nun pro Jahr 250 Euro, davor waren es 105 Euro. Für ein Elektro-, Ruder- oder Segelboot sind 200 Euro zu entrichten, für ein Kajütboot 300 Euro. Für den Quadratmeter Stegfläche verlangt das Rentamt noch vier Euro. Elbs: „Und damit liegen wir immer noch weit unter dem, was an anderen Seen bezahlt werden muss.“

Ende 2019 ist nach 30 Jahren auch der Pachtvertrag mit dem Fischereiverein Pilsensee-Wörthsee ausgelaufen. Wie hoch das neue „Nutzungsentgelt“ ist, wollten weder Elbs noch Walter Reggel, der Vorsitzende des Fischereivereins, sagen. Man habe sich auf eine Summe geeinigt, „die es uns möglich macht, das Ganze noch zu stemmen“, so Reggel. Die Gebühren und Beiträge mussten jedenfalls erhöht werden. Aktuell hat der Verein etwa 480 Mitglieder, davon sind 55 Jungfischer. Die Fischer haben am Wörthsee und am Pilsensee Vereinsgelände, Stege und Boote. Am Wörthsee sind es 100 Liegeplätze, am Pilsensee 130.

Den „Riesenrun“ auf die Seen kann Reggel nur bestätigen. „Es herrscht ein enormer Druck.“ Auf dem Parkplatz vor dem Vereinsgelände in Walchstadt gebe es von neun Uhr an „Krieg“. Was die Fischer besonders wurmt, sind die vielen Stand-up-Paddler, „die keine müde Mark“ für die Nutzung des Sees zahlen müssten und weder auf die Natur noch auf Regeln achteten.

Aber der Verein muss schauen, wie er überleben und Gebührenerhöhungen in Grenzen halten kann. Aus der Not heraus habe man deswegen entschieden, dass nun auch Fördermitglieder aufgenommen werden, die nicht aktive Fischer sind. Sie können Bojen und Liegeplätze für ihre Ruder-, Segel- oder Elektroboote vom Verein mieten. Walter Reggel: „Am Pilsensee sind noch etliche frei.“

Völlig ausgebucht sind dagegen die Liegeplätze in der Sportschifffahrtsschule Wörthsee von Peter Hopman in Steinebach. Was auch daran liegt, dass die Werft in Schlagenhofen geschlossen hat „und die Leute nun zu mir kommen für Liegeplätze und wegen der Slipanlage“. Der Druck von Tagesgästen auf den Wörthsee sei in den vergangenen Jahren schon „in unvorstellbarem Maße“ gestiegen. Wenn mittags sein Parkplatz voll ist, meldet Hopman das den Radiosendern der Umgebung, die dann Durchsagen machen. „So mancher kommt dann tatsächlich mit der S-Bahn“, sagt er. Der kann dann zwar kein Boot mitbringen, aber dafür eins mieten.