In Hamburg werden doch wieder Boote gezeigt

Hamburg ohne Bootsmesse? Das war für viele auch nach dem Aus der traditionsreichen Hanseboot im vergangenen Jahr nicht vorstellbar. Und so läuft nun bis Sonntag die neue Messe Hamburg Boat Show.

Für Segler, Motorbootfahrer und Wassersportler vieler Disziplinen war es eine herbe Enttäuschung: Im vergangenen Oktober teilte Hamburg Messe und Congress mit, nach mehr als 50 Jahren werde die Messe Hanseboot eingestellt – es gebe keine wirtschaftliche Grundlage mehr dafür. Sofort sprang der Deutsche Boots- und Schiffbauerverband (DBSV) in die Bresche und kündigte an, 2018 eine eigene Ausstellung zu organisieren. Die Bootsbauer hielten Wort. Am Mittwoch startet die erste Hamburg Boat Show, die der DBSV gemeinsam mit der Messe Friedrichshafen organisiert.

Hamburg, eines der Zentren des deutschen Yacht- und Segelsports, ohne eine eigene Bootsmesse, das ist für viele Wassersportler nur schwer vorstellbar. Der DBSV will die Lücke, die mit dem Aus für die Hanseboot entstanden ist, aber nicht nur im Sinne der Käufer, sondern vor allem auch der Hersteller füllen: „Aus der Branche heraus wurde im vergangenen Jahr sehr schnell deutlich, dass viele Unternehmen nicht auf eine Boots- und Wassersportmesse im Norden genau zu dieser Zeit verzichten wollen“, sagte DBSV-Präsident Torsten Conradi am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Messe. „Hamburg ohne Bootsmesse wäre wie die Alster ohne Boote. Das wollen wir nicht.“

Die Hamburg Boat Show ist deutlich kleiner, als es die Hanseboot zuletzt war, aber sie ist eine vollwertige Bootsmesse auf 30.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in den drei Hallen B5, B6 und B7. 289 Aussteller präsentieren Segel- und Motoryachten, reichlich Zubehör und vieles rund um Wassersportarten wie Stand-up-Paddling und Surfen, unter anderem mit einem zehn mal 20 Meter großen Wasserbecken zum Mitmachen.

Es gibt eine Charter- und Törnberatung, Bootsbau vor Ort, Fachvorträge und Reiseberichte – die breite Mischung ähnelt jener der Hanseboot. „Wenn wir mehr als 30.000 Besucher zählen, sind wir sehr froh“, sagte Dirk Kreidenweiß, Projektleiter der Hamburg Boat Show von der Messe Friedrichshafen. Die letzte Hanseboot zählte im vergangenen Jahr rund 76.000 Besucher, allerdings innerhalb von neun Tagen anstelle von fünf wie nun bei der ersten Austragung der Hamburg Boat Show.

Synergien zwischen Hamburg und Bodensee

Größtes Exponat der neuen Messe ist eine Segelyacht des Typs Dehler 46 mit 14,76 Meter Länge. Dehler und dessen Mutterkonzern Hanse Yachts aus Greifswald zeigen bei der Hamburg Boat Show mehrere Boote. Zu den Ausstellern von Motoryachten und Motorbooten zählen unter anderem die Hersteller Finnmaster und Galeon mit einigen Deutschlandpremieren.

Die Messe Friedrichshafen will die Hamburg Boat Show als jährliche Messe etablieren. Es gebe zahlreiche Synergien zwischen der neuen Ausstellung im Norden und der Hausmesse Interboot am Bodensee. So habe man etwa das neue Wasserbecken für Paddler und Surfer für beide Messen gekauft, anstatt eine solche Anlage zu leasen, sagte Kreidenweiß.

Das Publikum wiederum sei bei beiden Messen unterschiedlich. DBSV-Präsident Conradi sagte, man wolle mit der Hamburg Boat Show Besucher und Aussteller „in unserem Einzugsgebiet von den englischen Kanalinseln bis nach Sankt Petersburg erreichen“.

Offen bleibt zunächst, ob die Hamburg Boat Show in den kommenden Jahren auch einen Außenbereich mit Booten und Yachten auf der Elbe und in der HafenCity haben wird. Hamburgs Messechef Bernd Aufderheide hatte zum Ende der Hanseboot eine solche neue Ausstellung direkt am Wasser in Aussicht gestellt, die Pläne wurden aber nicht realisiert. „Wir werden uns über alle weiteren Entwicklungen der Hamburg Boat Show eng mit Hamburg Messe und Congress abstimmen und nichts parallel organisieren“, sagte Conradi.

Wassersprotbranche in „bester Verfassung“

Die Hanseboot, einst eine der führenden deutschen Ausstellungen für den Wassersport, hatte über Jahre an Ausstellern und Besuchern verloren. Zugleich wuchs die Bedeutung der weltgrößten Bootsmesse Boot in Düsseldorf immer weiter. Hamburgs Messegesellschaft stellte die Hanseboot schließlich ein, obgleich der Termin Ende Oktober kurz nach dem Ende der Wassersportsaison bei vielen Besuchern und Ausstellern als ideal galt – wer auf der Hanseboot bestellte, bekam sein neues Boot oder Ausrüstungsteile zur kommenden Saison. Bei der Boot in Düsseldorf, die im Januar stattfindet, ist der Vorlauf zum Saisonstart im Frühjahr wesentlich kürzer. Dennoch zieht die Boot regelmäßig mehr als dreimal so viele Besucher an wie zuletzt die Hanseboot.

Vor dem Auftakt zur Hamburg Boat Show berichtete der DBSV auch über die Lage der Wassersportbranche in Deutschland. Sie sei „in bester Verfassung“ heißt es auf der Grundlage der aktuellen Umfrage bei Mitgliedsunternehmen.

Annähernd die Hälfte der befragten Unternehmen beurteilt ihre Lage 2018 besser als im Vorjahr, mehr als 40 Prozent sehen die Entwicklung für das kommende Jahr positiv – obgleich der Wert der exportierten Boote aus Deutschland im ersten Halbjahr um drei Viertel unter dem des Vorjahreszeitraumes lag. Allerdings wird der Wert der Exporte auch von Motoryachten von mehr als zwölf Meter Länge geprägt. In diese Kategorie fallen auch Superyachten, teure Einzelstücke etwa von Lürssen oder Abeking & Rasmussen. Der Wert der importierten Motor- und Segelboote stieg um 7,6 Prozent an. Nach der Welt-Finanzmarktkrise hatte insbesondere der Bootsbau in Deutschland wirtschaftlich schwer gelitten. Die Branche ist heute längst nicht mehr so groß wie in den Jahren vor 2008.

Die Hamburg Boat Show öffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, am Freitag bis 20 Uhr. Die regulären Eintrittspreise betragen 14 Euro für die Tageskarte, für Kinder gibt es Ermäßigungen.