Yachtcharter Spanien: Mallorca

Die liebste Insel der Deutschen steht auch als Charterrevier hoch im Kurs. Sie bietet für jeden Geschmack etwas und taugt selbst für zweiwöchige Törns

Anreise

In kaum ein anderes Revier gibt es so gute Flugverbindungen wie nach Mallorca. Die große Nachfrage des Landtourismus sorgt aber auch dafür, dass die Flüge gut nachgefragt sind. Die Preise bewegen sich meist zwischen etwas über 200 bis 350 Euro, in der Hochsaison kann es auch teurer werden. Die Taxi-Transfers zu den Charterbasen sind günstig (ca. 30 Euro) und dauern selten länger als 20 Minuten. Ausnahme sind Portocolom oder der Norden mit Pollença, wohin man schon mal eine Stunde fährt. Dann lohnt es, einen Transfer zu organisieren.

Charter

Das Flottenangebot rund um die Bucht von Palma ist riesig. Stationen sind in Palma direkt, aber auch etwas außerhalb in Calanova, Can Pastilla, S’Arenal oder weiter östlich in Cala d’Or, Portocolom oder Pollença. Letztere Basen sind beliebt, wenn ein Abstecher nach Menorca geplant ist. Da das Flottenangebot seit Jahren wegen akutem Liegeplatzmangel kaum noch wächst, sind die Preise oft etwas höher als etwa in Kroatien, vor allem in der Hochsaison.

Wind & Wetter

Im Sommer oft thermische Wind mit See- bzw. Landbrise. In der Bucht von Palma weht dann oft ein Süd- bis Südwest, in den Buchten von Pollença und Alcúdia dagegen Nord- und Nordwestwind. Auch Wärmegewitter und lokale Tiefdruckgebiete sind möglich. Ansonsten bestimmen zwei Großwetterlagen das Geschehen: Mistral bringt Nord- bis Nordwestwind, Schirokko warme Luftmassen aus Süd.

Im Hochsommer können auch Flauten-Perioden auftreten, aber meist lassen einen die thermischen Wind nicht im Stich. In der Nebensaison bescheren durchziehende Tiefs gelegentlich Starkwind. Ist das Wasser im Herbst noch sehr warm, können sie unwetterartig ausfallen.

Lokale Wettervorhersagen über Funk auf Kanal 07 um 11.10, 16.10 und 23.10 Ortszeit, ansonsten nutzen die meisten Crews die üblichen Internet-Vorhersagen von Quellen wie Windy, Windfinder (Pro-Version!) und andere Anbietern.

Navigation & Seemannschaft

Die Küste Mallorcas ist recht unkompliziert. Kaum Strom, betonnte und beleuchtete Einfahrten, gute Karten und Revierführer, gekennzeichnete Untiefen – Mallorca ist auch als Einsteigerrevier geeignet. Außer vielleicht in der extremen Nach- und Vorsaison, wenn kräftige Unwetter die Insel treffen können.

Zu beachten ist der große Nationalpark rund um die Insel Cabrera. Wer sie besuchen will, muss sich zuvor bei der Parkverwaltung anmelden und eine Boje für die Dauer des Aufenthalts buchen; Ankern ist verboten. Das kann man entweder selber erledigen über die Webseite der Parkverwaltung. Eine Boje kostet rund 30 Euro für ein Schiff bis 12 bis 15 Metern. Es liegen nur 50 Bojen aus. Wer in der Hochsaison reist, sollte rechtzeitig buchen, länger als 20 Tage im Voraus ist das aber nicht möglich. Wichtig: Wer ohne Buchung kommt, muss wieder auslaufen, auch wenn Bojen frei sind!

Es gibt noch weitere Naturparks. Wichtig ist noch der um die Insel Dragonera im Westen Mallorcas,
sie darf nur über den kleinen Hafen in der Bucht Cala Llado betreten werden. Webinfos auf der Homepage.

Rund um die Inseln der Balearen gibt es elf Bojenfelder, mal eingerichtet zum Schutz der Seegraswiesen (über denen zudem generell Ankern verboten ist!), mal sind es privat betriebene, meist von Yachtclubs. Beide Varianten sind kostenpflichtig. Eine Nacht an der Boje kostet für Yachten bis 14 Meter etwa 30 Euro. In den Bojenfeldern darf nicht geankert werden, je nach Betreiber informiert ein Farbschema oder Aufdrucke, welche Bojen für welche Bootsgröße geeignet ist. Festgemacht wird an den Festmachern unter dem Schwimmkörper.

Häfen & Ankerplätze

Mallorca bietet einen Mix aus privaten Marinas, Vereinshäfen der Club Nauticos und sechs kommunalen Häfen, die zum Verband Ports Islas Baleares gehören. Letztere sind mit um die 40 bis 50 Euro für ein Zwölf-Meter-Schiff etwa halb so teuer wie die übrigen Häfen. Preise und Reservierungen über die Ports IB Webseite. Beliebte Marinas und Club Nauticos in Palma, Puerto Portals, Port Adriano oder Santa Ponça zum Beispiel, reißen für ein Zwölf-Meter-Schiff im Sommer durchaus die 150-Euro-Schallmauer.

Allen Häfen gemeinsam ist, dass es in der Hochsaison voll werden kann. Wer sicher sein will, einen Platz zu bekommen, reserviert per Mail oder Handy vorab, im Hochsommer auch ruhig ein paar Tage vorher. Ansonsten gilt: früh kommen, am besten schon bis zur späten Mittagszeit. In Vor- und Nachsaison entspannt sich das Ganze.

Ein Sonderfall ist die Nordküste der Insel: Dort gibt es auf fast 50 Seemeilen Küstenlinie nur einen sicheren Hafen, ziemlich in der Mitte: Sóller. Dazu kommen zwar gut zwei Dutzend Ankerplätze; weht aber Mistral aus Nord, wird es an den meisten unsicher. Dann muss man sich rechtzeitig nach Sóller verholen oder an die anderen Küsten der Inseln weitersegeln.

An schönen Ankerbuchten gibt es eine große Auswahl rund um Mallorca – mal kleine Felsspalten, in die nur ein paar Yachten passen, mal große Areale vor traumhaften Stränden. Wichtig: Der Anker darf nicht in Seegrasfeldern versenkt werden, die sind geschützt. Vor Stränden sind oft Schwimmbereiche mit Bojenleinen abgesperrt. Für Dingis mit Motor gibt es teils betonnte Anfahrt-Korridore.

Literatur & Seekarten

„Balearen“ von Gerd Radspieler, Delius Klasing, 43,90 Euro. Portbook Mallorca von Martin Muth, 24,90 Euro (www.portbook-mallorca.com). Seekarten: Sportbootkartensätze 9 Balearen von Delius Klasing, 59,90 Euro, oder der des NV-Verlages: Spain ES 2 49,90 Euro sowie Karten des britischen Anbieters Imray.

REVIER-CHARAKTERISTIK MALLORCA

Die Liebe vieler Deutschen zu Mallorca ist ungebrochen, noch immer ist sie eins der beliebtesten Ziele im Mittelmeer. Kein Wunder, hat die Insel doch viel zu bieten, einen perfekten Mix aus Sandstränden, Felsküste mit mal großen Buchten, mal winzig kleinen Nischen für wenige Boote zum Beispiel im Südosten. Nicht viele Reviere können deren Schönheit überbieten.
Oder den rauen Natur-Charme des Tramontana-Gebirges an der Nordwestküste mit der Perle Sóller in der Mitte. Die perfekte Infrastruktur Mallorcas erlaubt es fast immer, zwischen Hafen mit touristischem Ort, verschlafenem Nest oder eben landschaftlich schön gelegener Bucht zu wählen. Für Abwechslung sorgt das Insel-Metropolen-Flair von Palma, die ausgelassene Partystimmung in den bekannten Diskotheken in Cala Ratjada sowie die historischen Altstädte von Alcúdia und Pollença. Aber langweilig ist es auch in den Buchten nicht, kleine Orte mit schicken Cafés, Bars und Restaurants bieten mancherorts perfekte Möglichkeiten für den Landgang. Tiefenentspannt geht es dagegen auf den beiden vorgelagerten Naturschutz-Eilanden Dragonera und Cabrera zu, die einen idealen Gegenpol zum Trubel in Palma bilden.

Eine vollständige Inselumrundung schlägt mit rund 170 Seemeilen zu Buche und ist für eine Woche ein sportliches Unterfangen, zumal das Wetter an der exponierten Nordküste passen muss. Zwei Wochen sind da schon besser. Da wundert es nicht, wenn die meisten Crews ihre Charterwoche nur entlang der Süd- und Ostküste planen. Langweilig wird es auch dort nicht. Der Abstecher in den schönen Nationalpark Cabrera mit seiner einmaligen Ruhe und Natur ist für Revierneulinge ein Muss. Danach hangelt man sich entweder durch schöne Calas und Orte gen Osten weiter oder nach Westen in Richtung Dragonera. Die Distanzen sind kurz, die längsten Schläge enden bei um die 20 Meilen. Wer noch weniger segeln will, kommt auch zurecht.